Das Kieler Carillon

Ein Werk, das sich sehen lassen kann...

Das Kieler Carillon(Turmglockenspiel) umfasst 45 Bronzeglocken in der Tonfolge von g'-a' chromatisch bis e'''''.

Mit einem Gesamtgewicht von 4060 kg ist es ein mittelschweres Instrument, dessen Unterbringung in dem vorhandenen Raum großes planerisches Geschick erforderte. Mit Ausnahme der Läuteglocke haben wir die neuen Glocken in Karlsruhe nach der bekannten, berühmten Schillingrippe gießen lassen.

Die große g-Glocke, 1928 von Schilling-Adolda gegossen, hatte als einiges Ausstattungsstück die Zerstörung der Klosterkirche im Zweiten Weltkrieg überstanden. Sie Dient heite als Läuteglocke und als Basisglocke (Bourdonglocke) im Carillon.

Die Glocken wurden von uns in einer Holzkontruktion in der nach vier Seiten offenen Glockestube untergebracht, wobei die große Glocke ihren Platz in einem besonderem Glockenstuhl hat. Sie wird durch eine hochmoderne, elektronisch gesteuerte Läutemaschine bewegt, die durch eine Funkfernsteuerung von der Kapelle aus geschaltet werden kann.

Alle Glocken sind mit einer Handspieleinrichtung, einem Stockspieltisch, verbunden, den wir entsprechend der mitteleuropäischen Norm aus hochwertigem Eichenholz hergestellt haben.

Der Spieltisch ist mit dem einer Orgel vergleichbar und besteht aus einem Ständerwerk, in das Manual und Pedal eingebaut sind. Die Stöcke sind im Abstand von ca. 50mm wie Klaviertasten angeordnet und liegen für die (aufdem Klavier) schwarzen Tasten etwas verkürzt über den weißen, mit c beginnend. Das Instrument ist auf c transportiert, um dem Musiker das Spiel zu erleichtern, erfordert aber von einen Spieler mit absolutem Gehör eine nicht geringe Umstellung. Die tiefen Töne, eineinhalb Oktaven, sind mit dem Pedal gekoppelt, alle beweglichen Teile flexible gelagert. Eine sehr effektive Dämpfung verhindert Nebengeräusche.

Der Spieltisch ist mit Hilfe einer Traktur, die aus Zugdrähten und Wellenbrett (Kipphebeln) besteht, mit den Klöppeln in den Glocken verbunden. Die von uns entwickelte sehr leichtgängige Lagerung der Kipphebel ermöglicht dem Carilloneur (Glockenspieler) ein sehr gefühlvolles Spiel.

Bei der Konstruktion der Traktur werden von uns die vielen Erkenntnisse und Erfahrungen der vergangenen Jahre eingebracht. So sind die statischen Verhältnisse der Klöppel veränderbar, die Trakturen der schweren Glocken wurden mit einem Klöppelfang ausgerüstet, Holepunkte der Klöppel sind verstellbar angeordnet. Alle Maßnahmen sorgen für eine regelmäßige und leichtgängige Traktur bei sehr geringem Pflege- und Wartungsaufwand.

Bemerkenswert und außergewöhnlich ist der Umfang der elektronischen Spieleinrichtrung, die im Kieler Carillon alle 45 Glocken umfasst. Wir haben hier unsere hochentwickelte CARITRON 2000-1 eingesetzt. Melodien sind frei über eine Pianoklaviatur einspielbar.

Ausgezeichnet und wiedergegeben wird das individuelle Spiel. Die Speichermöglchkeiten sind unbegrenzt, ebenso wie das automatische Abspielen von Melodien. Beliebig viele Melodien können auf die Minute genau tages- oder datumbezogen automatisch abgerufen werden.

Durch die moderne Magnethammerwerke, die bei den kleinen Glocken außen und bei den großen innerhalb angebacht wurden, ist eine schnelle Tonrepetition möglich.

Die Einweihung fand am 18. September 1999 statt. Es verdient festgehalten zu werden, dass alle Kosten der Anlage durch Spenden aufgebracht wurden.

Das Kieler Carillion erklingt täglich zu festgelegten Zeiten.